Linux-Basics

Tux

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Ich benutze Linux bereits seit 5 Jahren und bin der Meinung das es in vieler Hinsicht anderen kommerziellen Betriebssystemen überlegen ist. Sowohl in dem was Linux als Programm leistet, aber auch was es in der persölichen Entwicklung des Nutzers leistet. Das klingt vielleicht etwas hochtrabend, aber wer es nutzt, weiss wovon ich schreibe.

Da Linux sich ständig weiterentwickelt, haben sich seit seiner Entstehung vielfältige Versionen - sogenannten Distributionen - für unterschiedliche Zielgruppen bzw. Nutzerprofile entwickelt.

Sie unterscheiden sich in der Basis und den Befehlen nur wenig und jeder Linuxer findet sich so recht schnell auf einer ihm fremden Distribution ein. Also habt keine Scheu sie einfach mal auszuprobieren. Wie das geht erfahrt ihr hier !

Der merklichste Unterschied für den Endanwender ist die grafische Oberfläche. Sie ist bei Linux (und anderen Unix-Betriebssystemen) vom darunter laufenden Prozess entkoppelt. Ich kann also meine grafische Oberfläche so wählen, wie sie mir gefällt. Das macht das Arbeiten angenehm, da ich alles an meine Bedürfnisse anpassen kann. Leider wird es für den Laien dadurch unübersichtlich, da jedes Linux anders aussieht.

Wer es nicht abwarten kann und wissen will wie cool Linux aussehen kann, der schaut sich einfach schonmal unter kde-look.org ein wenig um.

Ich werde versuchen im Folgenden etwas Licht in das Dunkel zu bringen und euch einen ersten Einblick in die wunderbare Welt von Open Source geben.

Gliederung:

Open Source

Was bedeutet frei ?

Also doch nicht kostenlos ?

Und für mich als Einsteiger ohne Chip im Kopf ?

Das Eingemachte !

Die Distributionen

Shell wie Muschel ?

Buchtipps

Open Source ?

Dieser Begriff bezeichnet mehr als nur die Eigenschaft einer Software. Open Source ist ein Lebensgefül.

Aber erstmal ganz von Anfang an...

Open Source ist eine Eigenschaft von Software. Sie trifft zu, wenn zu einer Software der Quellcode offen liegt - also für jeden der ihn sehen will offen und frei verfügbar ist. Wenn du mehr dazu erfahren möchtest, schau kurz bei Wikipedia.

Einhergehend mit Open Source ist die Lizenz unter der diese Software verteilt wird. Damit nicht plötzlich aus einem quelloffenen Projekt ein geschlossenes wird und damit sich die Idee quelloffener Inhalte verbreitet, wurde von dem US-Informatiker und Physiker Richard Stallman und dem Rechtsprofessor E. Moglen eine allgemeine öffentliche Lizenz formuliert. Die "general public license" - kurz GPL. Sie stellt die verbreitetste Basis von Open Source dar. 

Zu besagter Lizenz ist inzwischen die dritte Version unter dem Kürzel GPLv3 erschienen. Am 29. Juni 2007 wurde nach 16 Jahren die überarbeitete GPL die GPLv3  veröffentlicht. Mehr dazu bei der FSF. Dort findest du auch ein Dokument das mit Streichungen und Kommentaren auf die Änderungen und die Hintergründe eingeht.

Mehr über Richard Stallman findest du hier. Eine kleine Päsentation von mir zur Geschichte von Open Source und dessen Potentialen kannst du dir gern runterladen

Was bedeutet frei ?

Frei wird in diesem Zusammenhang wie das "frei" in freier Rede interpretiert - nicht wie das "frei" in Freibier.
Das hat zur Folge das jeder der Interesse hat, sich an der Erstellung, Veränderung, Verbesserung, Verbreitung, Erweiterung etc. von freier Software zu beteiligen, dieses darf. Es ist sogar ausdrücklich gewünscht ist. Eine schöne Geschichte dazu ist "Die Kathedrale und der Basar"
Die Basis für eine erfolgreiche Quelloffenheit (open source) stellt eine Formulierung dar, in der nachzulesen steht, was der Anwender, also ich und du, mit der Software anstellen darf. Diese Formulierung ist die GNU/GPL. Die GNU/General Public License.
Sie stellt das juristische Grundgerüst vom größten Teil der open source - Programme dar. Durch sie ist eine klare Abgrenzung zu "closed source" Software möglich und eindeutig. Es gibt darüberhinaus noch andere Lizenzen zu freier Software. Sie erfüllen spezielle Zwecke und ich werde an dieser Stelle nicht darauf eingehen.

Was jetzt - kostenlos oder nicht?

Es gibt beide Möglichkeiten. Open source heisst nicht, das alles für lau zu haben ist. Allerdings sind sehr viele open source - Programme kostenlos und frei verfügbar. 

Und das gilt insbesondere für das Betriebssystem Linux. Es ist vollständig open source (Ausnahmen bestätigen die Regel - manche Distributionen fügen Teile hinzu die nicht der GPL unterliegen). Jeder der Lust hat, kann es - ob für sich oder alle - nach Herzenslust umprogrammieren. 

Details zum Kopieren, Verändern usw. finden sich in besagter GPL. Wenn du lieber eine deutsche Übersetzung hast, kannst du sie hier lesen oder als pdf bei mir runterladen.

An dieser Stelle sei noch erwähnt das diese Lizenzform auch in der Musik ein Pendant besitzt- die Open Music. Ein Marburger Projekt um m.eik leistet hier sehr gute Dienste. Mehr zu den Hintergründen, der Lizenz und dem in Marburg stattfindenden Open Music Contest, findest du bei openmusiccontest.org. Schau mal rein, es lohnt sich!

Und für mich als Einsteiger ohne Chip im Kopf ?

Wir als Einsteiger profitieren von der Arbeit der Anderen ohne sie direkt bezahlen zu müssen. 

Allerdings funktioniert open source nach dem Solidarprinzip. Jeder leistet einen Teil - ob gross oder klein - und insgesamt entsteht ein grosses Ganzes von dem alle profitieren.

Jetzt aber zum Eingemachten !

Zu Beginn hatte ich die grafischen Oberflächen bereits angesprochen. Die verbreitetsten Desktopvarianten heissen Gnome und KDE.

KDE orientiert sich eher an der Oberfläche von Windows und ist daher für Ein- und Umsteiger intuitiver. Gnome ist ökonomischer in der Handhabung und mit ihm läßt sich nach der Eingewöhnung schnell arbeiten. Wer Linux wegen seiner Designvielfalt und den großen bunten Anpassungen mag, der ist mit KDE am besten bedient. 

Entscheide selbst welche Oberfläche dir besser gefällt. Du kannst sie bei den meisten Distributionen bei der Installation wählen. Wer am Festplattenplatz nicht sparen muss, kann auch beide Oberflächen installieren und je nach Laune mal mit Gnome und mal mit KDE arbeiten. Auch ein nachträgliches installieren ist kein Problem. So musst du dein System nicht komplett neu aufsetzten nur weil du lieber eine andere grafische Oberfläche hättest.

Für einen ersten Eindruck findest du unter www.kde.org und www.gnome.org nette Screenshots.

Prinzipiell findest du meistens zu einem Linuxprojekt (kde, gnome, kile, lynx, iptables, ...)unter www.projektname.org eine passende Webseite mit Infos, aktuellem Quellcode zum download und weiteren Infos.

Was ein besonders einfaches testen ohne Installation angeht, so hast du die Möglichkeit die Distribution(en) deiner Wahl per Live-CD anzusehen und ausgiebig auszuprobieren.

Das Prinzip ist ganz einfach:

  1. live-CD runterladen 
  2. das Image auf CD brennen
  3. und von dieser CD booten

Eine Liste mit Links zu den gängigsten live-CDs der verschiedenen Distributionen findest du hier.

Eine live-CD enthält alle Inhalte der Distribution nur das sie von der CD statt der Festplatte eingelesen wird. Es wird der Betriebssystemkern (Linux-Kernel) in den Arbeitsspeicher geladen und die grafische Oberfläche gestartet.

Diese Form des testens ist für den Rechner vollkommen problemlos, da nach einem Neustart alle Daten aus dem Arbeitsspeicher gelöscht werden und somit nichts zurückbleibt. Solltest du dennoch Daten speichern wollen, kannst du das per USB-Stick natürlich machen. Oder du installierst dir einfach die Distribution...

Leider ist beim Umgang mit der live-CD die volle Leistungsfähigkeit von Linux nur eingeschränkt feststellbar, da die Daten von CD eingelesen werden müssen. Das dauert durchaus länger als das einlesen von der Festplatte. Also habt etwas Geduld und seit nachsichtig, ist das Linux deiner Wahl auf eurem Rechner installiert, wirst du feststellen das es sehr viel flotter reagiert.

Die Distributionen

Inzwischen gibt es eine unglaubliche Vielzahl an Linux-Distributionen. Einen kleinen Überblick findest du hier. Sie alle sind für spezielle Einsatzgebiete entwickelt worden - je nach Einsatzgebiet kann man sich also die passende Distribution raussuchen.

Im deutschsprachigen Raum ist Suse Linux von Novell die am weitesten verbreitete Distribution. Sie sieht schick aus und überzeugt durch eine, in sich geschlossene, Funktionalität. Willst du also eine Distibution die weit verbreitet und mit hohem Bedienkomfort aufwartet, dann liegst du mit Suse sicher richtig. Für den Linux-Einsteiger ist Suse auf jeden Fall eine guter Start. Ein Vergleich einiger Distributionen findest du hier.

Leider bringt der Bedienkomfort aber auch Nachteile mit sich, die erst auf den zweiten Blick auffallen.

Soll mein Linux an besondere Anforderungen angepasst werden, dann kann ich nur auswählen, was ich in der grafischen Oberfläche auch anklicken kann. Wenn ein Programmierer nun eine solche Oberfläche entwickelt, kann er unmöglich alle Einstellungen und Veränderungen berücksichtigen, die wir User eventuell vornehmen wollen.

Also gehen Funktionalität und Möglichkeiten zur Beeinflussung meines System verloren. Der Preis des Komforts ist der Verlust dieser beiden Eigenschaften.

Will ich etwas einfach machen, dann darf es nicht kompliziert sein. Will ich hingegen etwas vielfältig machen und es auf alle erdenklichen Umstände vorbereiten, dann wird es früher oder später kompliziert.

Linux hat auch zu diesem Problem ein Löung gefunden. Zumindest in gewisser Weise.

Die Lösung heisst Konsole oder Shell.

Shell wie Muschel ??

Genau. Die Shell ist unter Linux das was viele ältere Semester noch unter DOS kannten. Naja, zumindest sieht des dem alten DOS ähnlich.

Der Unterschied besteht jedoch darin das ich mit der Shell unter Linux alles steuern kann. Die Shell ist also ein sehr mächtiges Tool unter Linux. Die Eingabe erfolgt hier durch die Tastatur und es gibt keine grafische Oberfläche. Die Shell ist also auf eine Texteingabe angewiesen.

Hieraus resultiert erneut das bereits erwähnte Phähnomen das Komfort gegen Macht getauscht wird.

Die Konsole (also das Programm das mir den Zugang zur Texteingabe verschafft) ist auf den ersten Blick nicht sonderlich komfortabel. Zumindest wenn man der Meinung ist, das anklicken kleiner grauer Rechtecke sei es.

Wenn du jedoch diese Welt unter der Schale genauer betrachtest, wirst du feststellen, das sie gar nicht so unbequem ist, wie es den Anschein hat. Die Zeilen die du hier gerade liest schreibe ich in diesem Moment über die Konsole. Genaugenommen besitzt der Rechner auf dem ich das hier schreibe keinerlei grafische Hilfsmittel, vermutlich nicht einmal eine normale Grafikkarte. Genau weiss ich es nicht, weil ich den Rechner noch nie gesehen habe und vermutlich auch nie sehen werde - es handelt sich um eine ssh-Verbindung mit einem virtuellen Server. Das zu erklären würde jetzt aber etwas zu weit führen. Nur soviel: Es ist viel einfacher als es immer klingt! Man muss nur ein bisschen im Web stöbern und die Zusammenhänge finden. Mehr dazu vielleicht später mal...

Du siehst, die Shell ist ein mächtiges Werkzeug unter Linux. Sie bietet dir uneingeschränkte Möglichkeiten. Leider ist der Preis der Komfort. Die Shell ist für den Einsteiger kompliziert. Diesen Umstand haben die Linux-Programmierer aber erkannt und mit vielen nützlichen kleinen Helferlein versucht, es jedem Benutzer leicht zu machen. Da sie selbst schliesslich auch die Shell verwenden, haben sie sich somit selbst geholfen. Und das kann ja nur gut werden. :-)

Bis hier ein paar anfängliche Tipps und Basics zu Linux. Wenn ihr mehr wissen möchtet, ist Wikipedia immer ein guter Anlaufpunkt. Oder du googelst einfach mal "Linux". Natürlich helfe ich auch gern persönlich weiter. Es wäre nicht das Erste mal!

Buchtipps

Als Einstieg in die wunderbare Welt von Open Source und Linux empfehle ich folgende Bücher:

Michael Kofler - Linux 


Ein umfassendes Kompendium mit allem was man braucht. Vermutlich sogar mehr als das. Es beinhaltet die Grundlagen und geht sogar auf den Einsatz von Programmen innerhalb einer Bistribution ein. Mit dabei sind 2 Distributionen als live-CD die auch installationsfähig sind. Also das "Rundum sorglos" - Paket. Von Michael Kofler sind auch weitere Handbücher erschienen, die allesamt sehr gut sind.
Als kleiner Tipp: bei einem großen Internetauktionshaus gibt es meist sehr günstige Exemplare. 

Volker Grassmuck - Freie Software


Eine Buch der Bundeszentrale für politische Bildung. Es geht auf die politische Hintergründe, das Potential und die Entwicklung freier Software ein. Jedem der die Politik hinter Open Source verstehen will, sehr zu empfehlen. Kann bei der bpb runtergeladen werden. Wer lieber die Papiervariante haben möchte, kann es sich zum Selbstkostenpreis bestellen. 2 € die sich in jedem Fall lohnen !
Der Grassmuck ist kein Handbuch zur Bedienung von Linux oder anderen Programmen. 

Und nun viel Spass beim Ausprobieren!

Anregungen und Wünsche sind immer herzlich willkommen!

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